Einordnung
Eine am 13. Oktober 2026 im Fachjournal Food and Bioprocess Technology veröffentlichte Studie von Jack Prendeville und Kollegen liefert dazu neue Vergleichsdaten. Die Forschenden untersuchten verschiedene Extraktionsverfahren mit getrockneter Biomasse aus Lemna minor und Lemna gibba. Wolffia globosa war nicht Gegenstand der Versuche – die Ergebnisse dürfen daher nicht eins zu eins auf diese Art übertragen werden.
Hohe Ausbeute ist nicht dasselbe wie hoher Proteingehalt
Die Kombination aus Ultraschall und anschließender enzymatischer Behandlung unter Schütteln erreichte im Labor eine Proteinrückgewinnung von 88,6 ± 2,5 Prozent. Ein alternatives Verfahren aus Ultraschall und alkalischer pH-Verschiebung kam auf 84,7 ± 0,2 Prozent. Den höchsten Proteingehalt im gewonnenen Konzentrat – 55,6 ± 0,7 Gramm pro 100 Gramm – lieferte das pH-Verfahren.
Diese Kennzahlen beschreiben unterschiedliche Dinge: Die Rückgewinnung sagt, welcher Anteil des Ausgangsproteins erfasst wird. Der Proteingehalt beschreibt, wie proteinreich das resultierende Konzentrat ist. Für die Entwicklung einer Food-Zutat müssen beide Größen zusammen betrachtet werden.
Was die Originalmethodik präzisiert
Die 88,6 Prozent sind keine Ausbeute an abgefülltem Proteinkonzentrat. Die Studie ermittelte die Proteinrückgewinnung aus der Summe des Proteins im Konzentrat und in der verbliebenen Flüssigfraktion (Überstand), bezogen auf das Protein der eingesetzten Biomasse. Zudem basieren die Vergleiche der vier Trockenbiomasse-Verfahren auf jeweils drei unabhängigen Beobachtungen. Die Versuche wurden mit 20 Gramm getrockneter, auf etwa 500 µm vermahlener Mischbiomasse bei festgelegten Bedingungen durchgeführt. Die Autoren optimierten also keine industriellen Prozessfenster.
Besonders wichtig für eine mögliche Produktentwicklung: Proteinrückgewinnung, Proteingehalt des Konzentrats und tatsächliche Eignung als Lebensmittelzutat sind drei verschiedene Kriterien. Die Arbeit prüfte weder Verdaulichkeit noch lebensmitteltechnologische Funktionalität oder Produktsicherheit. Für eine Wolffia globosa-Produktion müssen diese Punkte separat validiert werden.
Der entscheidende Haken: Energie
Besonders aufschlussreich ist die Energiebilanz. Je nach untersuchtem Laborverfahren lag der gemessene Strombedarf zwischen 0,011 und 0,291 kWh pro Gramm zurückgewonnenem Protein. Das Verfahren mit der höchsten Rückgewinnung hatte zugleich den höchsten erfassten Stromverbrauch. Daraus lässt sich noch kein industrieller Energiebedarf ableiten: Laborgeräte, kleine Chargen und fehlende Skaleneffekte verzerren einen direkten Vergleich mit einer Produktionsanlage.
Die Studie zeigt aber klar, warum eine maximale Laborausbeute nicht automatisch das wirtschaftlichste Verfahren ergibt. Auch Trocknung, pH-Korrektur, Enzyme, Wasser, Trenntechnik und die Eigenschaften des Proteins müssen in eine spätere Gesamtbilanz eingehen. Verdaulichkeit und technofunktionelle Eigenschaften waren nicht Teil der Untersuchung.
Was bedeutet das für AquaSphere?
Für eine zukünftige Verarbeitung von Wolffia globosa ist die Arbeit eine wertvolle methodische Vorlage. AquaSphere sieht darin vor allem drei Forschungsfragen: Lässt sich das Verfahren auf die kleinere, wurzellose Wolffia-Biomasse übertragen? Kann eine Verarbeitung frischer Biomasse Trocknungsenergie sparen? Und welcher Prozess liefert bei akzeptablen Kosten die für Lebensmittel erforderlichen Eigenschaften?
Der nächste sinnvolle Schritt ist deshalb kein Versprechen von „88,6 Prozent Wolffia-Protein“, sondern ein vergleichbarer Versuchsplan im kleinen Maßstab – mit identischer Biomasse, definierten Qualitätsparametern und vollständiger Energie- und Stoffbilanz.
Evidenzstand: Peer-reviewte Originalstudie, veröffentlicht am 13. Oktober 2026. Untersucht wurden Lemna minor und Lemna gibba, nicht Wolffia globosa.
Quelle: Jack Prendeville et al., „Comparative Evaluation of Methods for Protein Extraction from Duckweed Biomass“, Food and Bioprocess Technology (2026). https://doi.org/10.1007/s11947-026-04615-4

